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Heute morgen nur ganz schnell hier aus dem Ye Olde Mason-Haputquartier, die 2007 herausgegebene 2-Euro-Gedenkmünze zum 50. Jubiläum des Vertrags von Rom. Auf dem Obvers ganz normal links die große Zwei, rechts daneben ein Kartenausschnitt Europas.

Slovakische 2-Euro-Gedenkmünze zum 50. Jahrestag des Vertrags von Rom; Quelle: Ebay

Slovakische 2-Euro-Gedenkmünze zum 50. Jahrestag des Vertrags von Rom; Quelle: Ebay

Auf dem Revers dagegen sieht man ein aufgeschlagenes Buch, mit einer leeren linken und einer mit kurzem Text sowie Unterschriften versehenen rechten Seite. Darüber in latinisierter Schrift EVROPA und im Hintergrund ein Sternmuster, welches Unschwer als die von Michelangelo entworfene Pflasterung des Campidoglio in Rom gedeutet werden kann. Hier in einem Stich von Étienne Dupérac von 1568:

Stich der Piazza del Campidoglio von Étienne Dupérac, 1568; Quelle: wikipedia

Stich der Piazza del Campidoglio von Étienne Dupérac, 1568; Quelle: wikipedia

Man kann hier der Münze, welche immerhin in fast allen Euro-Ländern herausgegeben wurde, unterstellen, dass sie Symbolde verwnden würde, die üin jedem dieser Länder verstanden und interpretiert werden können. Verwandt wird hier nun eine abstrahierte Version eines seit der Antike zentralen Platzes der iatlienischen Hauptstadt Rom. Das Muster bietet sich einem hier an, wie es einem auch in de Realität bieten würde, wenn man den Platz über die Cordonata betritt. Mit einem Rückgriff auf dieses Muster bezieht sich die Münze zum einen auf den historischen Ort des Vertragsschlusses, Rom, als auch im Bezug auf Michelangelo auf die Genialität der Künstlerperson im speziellen, wie der Epoche Renaissance im allgemeinen. Denn wollen wir nicht alle die EU nach den Wirren und Barbareien des frühen 20. Jahrhunderts als eine Re-Renaissance sehen, in der rationale Technik und daraus entstandene Kunst Hand in Hand gehen?

Wir bei Ye Olde Mason sind ja prinzipiell überzeugt, dass durch vereinfachte Darstellung / Abstraktion Charakteristika deutlich werden. So auch bei antiken Reliefs, welche oft eine nicht realistische Darstellung mit Vereinfachungen und Verkürzungen zeigen. Wenn es dann noch um unser Lieblingsthema, Platzanlagen geht, umso besser.

Heute Teil 1 der Serie „Foren & Agorai im Bild“:

Tabula Iliaca, Musei Capitolini

Tabula Iliaca, Musei Capitolini, Inv. MC 0316; Quelle: wikipedia

Die Tabula Iliaca Capitolia ist eine1 im 17. Jhdt. gefundenen weißen Marmortafel, die den Text der Ilias mit Illustrationen in Reliefs enthält. Zweck der in augusteischer Zeit gefertigten Tafeln waren wohl Schulzwecke, das vereinfachte Begreifen der Handlunsgabläufe im Text. Wichtig für uns ist ein Ausschnitt, der das gefallene Troja zeigt.

Tabula Iliaca Capitolina, Ausschnitt

Tabula Iliaca Capitolina, Ausschnitt

Wir sehen die von Kämpfen durchzogene Stadt, nach den äußersten Mauern ein weiteres Tor und dahinter in Abfolge zwei Platzanlagen. Beide sind nach vorne, zum Betrachter hin, offen und an den restlichen drei Seiten von Säulenhallen umgeben. Damit gehen sie weg von Vitruvs Angabe der griechischen „fora in quadrata“2 und hin zu der in der Realität eher gegebenen Hufeisenform.3 Beide Hallenkomplexe gleichen sich, sie stehen auf einem zweistufigen Sockel und sind mit Satteldächern gedeckt. Bei den unteren Stoen befinden sich an den beiden Endseiten Schlitze, welche als Eingänge interpretiert werden können. Die Regelmäßigkeit, die die beiden Anlagen auszeichnet, stört einzig ein unausgerichtet in den oberen Platz gestellter sechssäuliger Antentempel auf einem dreistufigen Podest. Allgemein sind beide Plätze durch die Kämpfer bevölkert, es sind keine weiteren Monumente sichtbar, es sei denn man erklärt ein ungenau erkennbares Teil bei der unteren Anlage für eine, dann aber leere, Statuenbasis.

Weiter interessant ist abschließend noch die Stellung der beiden Plätze im ganzen Stadtgefüge. Insgesamt nehmen sie den größten Teil der gesamten Stadtfläche ein, auch scheinen alle restlichen Gebäude, die beiden Tempel zu Seiten der unteren Anlage, sowie die Straßen mit Wohnhäusern zu Seiten der oberen, ganz klar auf die Vorgabe der Linienführung der Stoen ausgerichtet zu sein.


Fußnoten


1.

Es gibt mehrere, siehe N.V. Montenegro, Die Tabulae Iliacae. Mythos und Geschichte im Spiegel einer Gruppe frühkaiserzeitlicher Miniaturreliefs (Berlin 2004) und auch A. Sadurska, Les tables iliaques (Warschau 1964)


2.

Vitruv V.11.1


3.

siehe R. E. Wycherley, How the greeks built cities, 2. Ausg (London 1962), 71; die Hufeisenform der, nach Vitruv, ionischen Agorai ist eigentlich eher später und „römischer“, siehe Wycherley 1962, 82 f.

Wir hier bei Ye Olde Mason mögen ja, sind ja really fond of, wie man im angelsächsischen Sprachraum sagt, Gedanken zur Architektur, die groß sind, sehr groß, sehr sehr groß. Die müssen nicht unbedingt gebaut sein, Ideen reichen schon. Da interessiert, was englishrussia.com zeigt, stalinistische Umgestaltungspläne für Moskau. Leider ohne genauere Angaben zu Urheber, Entstehungszeit etc, aber für was gibt es denn das Internet?! So sind manche der gefeaturten Gebäude bekannt, wie z.B. der unvollendete Palast der Sowjets nach Plänen von Boris Iofan und Wladimir Schtschuko

wikipedia

Der projektierte Palast der Sowjets (Version von 1936), einer Gemeinschaftsarbeit der Architekten Boris Iofan und Wladimir Schtschuko, Quelle: wikipedia

oder, was uns wegen der wunderbaren Einbeziehung der Platzanlage des Roten Platzes ganz besonders interessiert hat, das Volkskommisariat der Schwerindustrie von Alexander und Viktor Vesnin.

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Volkskommisariat der Schwerindustrie, nach Plänen von A. und V. Vesnin, ca. 1934, Quelle: http://www.muar.ru

Besonders imponiert uns hier die Lösung mit der sechsgeteilten Treppe, die eine ganze Breitseite des Platzes einnimmt und vor einer Art Stoa mit Mittelvorhalle endet. Gibt es hier Anleihen an die florentinische Renaissance oder erinnert uns der Entwurf zu Unrecht an Brunelleschis Piazza della Santissima Annunziata?

Aber um was geht es bei den gezeigten Entwürfen? Es geht um das Neue Moskau (Hовая Москва) (siehe hier, russisches Propagandavideo von 1938, zeigt gegen Ende auch den Palast der Sovjets im Modell), den Auftrag an Alexei Wiktorowitsch Schtschussew zum Umbau Moskaus in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Einen besonderen Platz nimmt in der ganzen Planungshistorie das Jahr 1937 ein, welches neben Stalins Terrormaßnahmen auch Stadtplanungsprojekte (U-Bahn, Anlegung breiter Paradestraßen) sah. Neben, natürlich, konstruktivistischer Formsprache, zeigen die Projekte für das siegreiche Volk auch gewisse klassische Anleihen

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Der Helden-Bogen, nach Plänen von L. Pavlov, 1942, Quelle: http://www.muar.ru

so der Helden-Bogen von L. Pavlov für die Verteidiger Moskaus. Oder auch I. A. Fomins Projekt für das bereits oben angesprochene Volkskommisariat der Schwerindustrie

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Volkskommisariat der Schwerindustrie, I. Fomin, P. Abrosimov, M. Minkus, ca. 1934, Quelle: http://www.mura.ru

Beide benutzen, ganz klassisch, Bogen-Formen zur Erzeugung eines Erhabenheit-Gefühls.