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„The Pollocks diggings provide a valuable link between the citizen-slave communities of the twentieth century and the tribal anarchy which succeeded them. Here you see a people of advanced culture, capable of an elaborate draining system and the construction of permanent highways, over-run by a race of the lowest type.“

Evelyn Vaugh, Brideshead Revisited

Ich finde diesen Gedanken interessant, sich zu überlegen, was zukünftige Archäologen von unserer Zivilisation finden und wie sie es deuten werden. Da gab es mal dieses Buch dazu, dessen Titel mir jetzt natürlich nicht einfällt. Gab es diesen Gedanken auch in der Antike? Ja und nein. Immerhin hatte der Beginn des historischen Denkens im Athen des 5. Jhdts. einen ähnlichen Hintergrund. Beides geht von einer Zukunft aus, deren Auffassung des Jetzt man prinzipiell beeinflussen kann.

siehe auch: T. Hölscher in: J. Assmann / T. Hölscher (Hrsg.), Kultur und Gedächtnis (Frankfurt am Main 1988)

Von unserem Besuch im Neubau dort haben wir ja schon berichtet, und nun gibts ein neues Datum für die Eröffnung. Äh, und das wars für heute 😉

Wir bei Ye Olde Mason sind ja prinzipiell überzeugt, dass durch vereinfachte Darstellung / Abstraktion Charakteristika deutlich werden. So auch bei antiken Reliefs, welche oft eine nicht realistische Darstellung mit Vereinfachungen und Verkürzungen zeigen. Wenn es dann noch um unser Lieblingsthema, Platzanlagen geht, umso besser.

Heute Teil 1 der Serie „Foren & Agorai im Bild“:

Tabula Iliaca, Musei Capitolini

Tabula Iliaca, Musei Capitolini, Inv. MC 0316; Quelle: wikipedia

Die Tabula Iliaca Capitolia ist eine1 im 17. Jhdt. gefundenen weißen Marmortafel, die den Text der Ilias mit Illustrationen in Reliefs enthält. Zweck der in augusteischer Zeit gefertigten Tafeln waren wohl Schulzwecke, das vereinfachte Begreifen der Handlunsgabläufe im Text. Wichtig für uns ist ein Ausschnitt, der das gefallene Troja zeigt.

Tabula Iliaca Capitolina, Ausschnitt

Tabula Iliaca Capitolina, Ausschnitt

Wir sehen die von Kämpfen durchzogene Stadt, nach den äußersten Mauern ein weiteres Tor und dahinter in Abfolge zwei Platzanlagen. Beide sind nach vorne, zum Betrachter hin, offen und an den restlichen drei Seiten von Säulenhallen umgeben. Damit gehen sie weg von Vitruvs Angabe der griechischen „fora in quadrata“2 und hin zu der in der Realität eher gegebenen Hufeisenform.3 Beide Hallenkomplexe gleichen sich, sie stehen auf einem zweistufigen Sockel und sind mit Satteldächern gedeckt. Bei den unteren Stoen befinden sich an den beiden Endseiten Schlitze, welche als Eingänge interpretiert werden können. Die Regelmäßigkeit, die die beiden Anlagen auszeichnet, stört einzig ein unausgerichtet in den oberen Platz gestellter sechssäuliger Antentempel auf einem dreistufigen Podest. Allgemein sind beide Plätze durch die Kämpfer bevölkert, es sind keine weiteren Monumente sichtbar, es sei denn man erklärt ein ungenau erkennbares Teil bei der unteren Anlage für eine, dann aber leere, Statuenbasis.

Weiter interessant ist abschließend noch die Stellung der beiden Plätze im ganzen Stadtgefüge. Insgesamt nehmen sie den größten Teil der gesamten Stadtfläche ein, auch scheinen alle restlichen Gebäude, die beiden Tempel zu Seiten der unteren Anlage, sowie die Straßen mit Wohnhäusern zu Seiten der oberen, ganz klar auf die Vorgabe der Linienführung der Stoen ausgerichtet zu sein.


Fußnoten


1.

Es gibt mehrere, siehe N.V. Montenegro, Die Tabulae Iliacae. Mythos und Geschichte im Spiegel einer Gruppe frühkaiserzeitlicher Miniaturreliefs (Berlin 2004) und auch A. Sadurska, Les tables iliaques (Warschau 1964)


2.

Vitruv V.11.1


3.

siehe R. E. Wycherley, How the greeks built cities, 2. Ausg (London 1962), 71; die Hufeisenform der, nach Vitruv, ionischen Agorai ist eigentlich eher später und „römischer“, siehe Wycherley 1962, 82 f.

Da ist ein Teil der Redaktion mal außer Lande, schon kommen die Ausstellungen nach Rhein-Main. Und so auch die (Wander-)Ausstellung Bunte Götter. Nach München, dem Ursprungsort, war die Schau auch in Basel, Hamburg, Rom, Kopenhagen, Amsterdam, Istanbul, Athen, Harvard und Los Angeles zu sehen. Im Grunde geht es um das auf Winkelmann, aber auch den weiteren Klassizismus zurückgehende Vorurteil, die Antike wäre gewesen wie sie heute scheint, weiß und rein. Das dem nicht so war, ist eigentlich spätestens seit Antoine Chrysostôme Quatremère de Quincys Abhandlung über Phidias olympische Zeusstatue (leider nicht bei Digitalisat) bekannt und bekam besondere Aufmerksamtkeit seit den im Rahmen der Bergung und Sichtung des Perserschutts gefundenen Statuenfragmenten mit sehr gut erhalteen Farbresten (wie z.B. dem Blonden Kopf).
Eigentlich war es klar, dass die Ausstellung, welche ihre Ursprünge an der LMU-München hat und auf den jetzigen Leiter der Antikensammlung des Liebighauses V. Brinckmann zurückgeht, jetzt auch mal dort zu sehen sein würde.
Aufgebaut ist sie als Mischung von Stücken der Sammlung des Frankfurter Hauses mit den gelungenen farblich gefassten Kopien aus München.
Besonderen Wert legte man bei der Anfertigung dort natürlich auf in der Glyptothek ausgestellte prominente Stücke, so das Hauptwerk, der Aphaia-Tempel von Aigina (wobei hier die farbige Fassung des Gibelschmucks bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt war, siehe die Versionen der Rekonstruktion A. Furtwänglers).
Aber auch das andere Hauptwerk, welches aus den früheren Katalogen bekannt sein dürfte, der Fries des Syphnier-Schatzhauses in Delphi, war vertreten.
www.viamus.de

Rekonstruierte frabliche Fassung des Frieses des Syphnier-Schatzhauses in Delphi, Quelle: http://www.viamus.de

Leider nicht die Kopie des Augustus von Prima Porta,
www.laputanlogic.com

Vergleich der Originalkopie des Augustus von Prima Porta mit der farblichen Fassung, Quelle: http://www.laputanlogic.com

aber dafür zwei Caligula Porträts, welche unterschiedliche Stufen der Bemalung zeigten. Manchmal fragte man sich ein wenig, wie denn jetzt gerade die Verbindung zwischen den Frnkfurter Stücken und den Stücken der eigentlichen Ausstellung hergestellt wurde. So vor allem bei der ägyptischen Pharaonen-Statue, welche als Porträt Alexander des Großen erkannt wurde und vor wenigen Jahren der Star der Griechenland-Ägypten-Ausstellung im Städel war.
Die Kritikpunkte an der Schau betreffen die üblichen Problemstellen: Teuer, während man früher als Kunstgeschichtsstudent umsonst in das Liebighaus kam kostet der Eintritt heute 6 € ermäßigt, trotzdem war die Schau an unserem Besuchstag gut besucht. Ansonsten mutet sie relativ kurz an, drei Räume und der „Keller“ mit den wunderschönen Aquarellen des Schweizers Emile Gillieron, von denen manche, wie von der Peplos-Kore, aber auch nach ganz noben ins sog. Studiolo verbannt waren. Aber man überlegt auch, nach der Schau ist einem klar geworden was die Mission war, dem, man kann ihn schon fast so nennen, naiven Betrachter zu zeigen, wie farbig doch die Antike war. Das sie überhaupt farbig war und dann noch so grell. Und das ist gelungen.
Alles in allem also eine gelungene Schau, die man sich hier wieder ansehen würde, auch mit dem Hintergedanken teil einer weltweiten Kunstbewegung gewesen zu sein.
Details:
Bunte Götter
Liebieghaus Skulpturensammlung, Antikensammlung / Frankfurt am Main
Schaumainkai 71
noch bis: 15.02.2009
danach: 06.03. bis 01.06.2009 im Museum Wilhelmshöhe in Kassel

  • eine Arbeit über den Umgang von Architekten mit alter Bausubstanz, vor allem aber nicht nur in der Moderne. Besonderes Augenmerk auf antike Überreste, siehe B. Tschumis neues Akropolis-Museum, Zumthor, Herzog & De Meuron

  • moderne Glasmalerei von Künstlern, die eigentlich nicht aus diesem Medium kommen. Beispiele natürlich Richter im Kölner Dom, Brice Marden bei der Wiesbaden-Ausstellung.

siehe auch:

… bei Langeweile I

Zum ersten Teil unserer neuen Serie Ruinen Incorporated heute eine Mainzer Institution: Das Haus zum römischen Kaiser bzw. der Komplex Gutenberg-Museum, Bistro Codex. Der Bau liegt am Liebfrauenplatz, dem Platz neben der ehemaligen Liebfrauenkirche, zum Marktplatz hin.

Die Baugeschichte in kürze: Erbaut wurde das Haus zum römischen Kaiser in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für den Großkaufmann, kurfürstlichen Rat und Rentmeister Edmund Rokoch. Es nimmt insbesonders in der Architekturgeschichte von Mainz einen besonderen Platz ein, da es als erster größerer Neubau nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges eine Vorbildfunktion für spätere Bauten hatte. Der Schmuck der Hauptfassade stammt wohl aus der Zeit um 1700. Seit 1742 war es als Hotel Zum römischen Kaiser bekannt und kann sich mit Namen wie Voltaire, Mozart und Goethe als Gästen schmücken.

Neubau des Gutenberg-Museums von Rainer Schell, 1962; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Neubau des Gutenberg-Museums von Rainer Schell, 1962; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Ab Mai 1927 werden erste Räume in dem Gebäude für das 1901 gegründete Gutenberg-Museum benutzt, ab April 1932 das gesamte Gebäude. Wie auch fast die ganze Mainzer Innenstadt wird auch das Haus zum römischen Kaiser im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, allerdings, auch wegen des darin untergebrachten Gutenberg-Museum, ab 1960 wieder aufgebaut bzw. besser rekonstruiert. Ergänzt wurde der gesamte Komplex durch den 1962 fertiggestellten Neubau von Rainer Schnell.

Eingangssituation des Gutenberg-Museums, Quelle: www.gutenberg-museum.de

Eingangssituation des Gutenberg-Museums, Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Heute ist die Eingangssituation des Gutenberg-Museum folgend gelöst: Man betritt den kleineren Innenhof von der Seilergasse aus, welche vom Liebfrauenplatz zum Brand führt. Auf dem Bild erkennt man links den Eingang und das Foyer des Neubaus und rechts, mit dem charakteristischen rosa Putz, das alte bzw. neue rekonstruierte Haus zum römischen Kaiser. Im Hintergrund das uns interessierende Objekt, das Bistro Kodex mit den verbauten Resten des alten Baus.

Außenraum des Bistro Codex, Mainz; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Außenraum des Bistro Codex, Mainz; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Jedem, der einmal in diesem Raum saß, werden sie sofort aufgefallen sein: mit floralen Mustern geschmückte Konsolen aus hellrotem Sandstein, sowie ein imposanter Bogen mit 3/4 Säulen mit Kompositkapitellen, einer relieferten Attika sowie darüberliegendem Zahnschnitt, sowie einem Löwenkopf als Schlussstein. Hier noch einmal en detail:

Bogen im Bistro Codex, Mainz; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Bogen im Bistro Codex, Mainz; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Wie werden diese Details hier verwendet? Eingebettet sind sie in eine Hintergrundwand aus grauem Kieselbeton, sowohl zwangsläufige Referenz an die nicht gerade reiche Nachkriegszeit, in die der Neubau immernoch hereinrutscht, als auch optischer Heraushebung der rötlichen Artefakte. In der Tat tritt die Wand im Raum selbst zurück und lässt, auch hervorgerufen von der großzügigen Beleuchtung die Überreste deutlicher hervortreten. Trotzdem kann man natürlich über die ästhetischen Qualitäten von Kiesbeton streiten, wobei das Urteil wahrscheinlich nicht unbedingt zugunsten der kleinen Steinchen ausfallen dürfte. Hervorzuheben bleibt noch, dass die Konsolen hier wirklich tragende Funktion haben, genau wie der Bogen immernoch seine Durchgangsfunktion, die Teile bleiben nicht nur, wenn auch hauptsächlich, reine Ornamentik.

Siehe auch:
Ruinen Incorporated

Wir hier bei Ye Olde Mason stehen ja auf Serien, viel mehr als die großen Blockbuster törnen uns ja Serien an, die wie die Sopranos oder Ye Olde Mason-spezifisch Rome das geneigte Publikum über einen längeren Zeitraum immer wieder mit den Stories seines Interesses versorgen.
Und darum auch jetzt in analogie hier eine neue Serie: Ruinen Incorporated. Wir werden eine Eigenart von Architektur beleuchten, die im Ye Olde Mason-Fokus liegt wie sonst nichts: In neuere Architektur verbaute Ruinen. In neuerer Zeit durch Bauten wie z.B. Peter Zumthors Kolumba-Museum in Köln oder Herzog&De Meurons CaixaForum in Madrid vermehrt ins Rampenlicht gekommen, geht diese Praxis in viel frühere Zeiten zurück und kann in gewisser Weise bereits in der Antike gesehen werden, z.B. an Hadrians Pantheon in Rom mit der Einbeziehung der Fassade des augusteischen Vorgängerbaus.
Damit wollen wir zum einen Sammeln und Zeigen, aber auch prinzipielle Fragen stellen, die den ästhetischen wie funktionalen Umgang mit der alten Substanz beleuchten.
Denn: Das Inkorporieren und demonstrative Herzeigen älterer Bausubstanz, was bei allen hier behandelten Objekten immer existieren wird, lässt verschiedene Fragen stellen und möglichst auch beantworten. Wie war der Bezug des ausführenden Architekten zur Vergangenheit allgemein, zur hier benutzten Epoche im spezifischen? Wie wurde die einhefügte Substanz verstanden, bewertet? Welche Funktion hatten die Artefakte?
Alles wichtige Fragen, die wir hoffen beantworten zu können.

Falls einem wirklich einmal langweilig sein sollte (muhahah), dann könnte man ja eines der folgenden Projekte anfangen:

– Das Aufkommen eines Platzes als Vorplatz eines Tempels. ich denke hier vor allem an die römischen Kaiserfora, also das Forum iulium und das Augustusforum, aber auch an das Traiansforum, an dem die Basilica Ulpia die Funktion des Tempels übernimmt. es gibt da eine Textstelle zum Bau des Forum Iuliums, die Caesar bescheinigt, diese Praxis von orientalischen Vorbildern zu übernehmen.

– Dieses Charakteristika von absoluten Herrschaftsformen, dass der Herrscher einen Platz betreten kann oder auch nicht. Sie haben die Möglichkeit, oder auch das Recht, die Öffentlichkeit zu meiden. dadurch werden sie vom Rest separiert oder geradezu über ihn erhoben. Beispiele hier wären Caligulas Brücke vom Palatin auf das Kapitol, oder in gewissem Sinne auch Vasaris Korridor in Florenz.

– Allgemein die Aufwertung von Städten durch Plätze, im Sinne der bekannten Herodot-Stelle.

– Das große und bisher nicht besonders beachtete Feld der Pflasterungen von Plätzen: Durch Materialien, Muster wird eine Zonierung, eine 2-Dimensionale Gliederung eines Platzes hervorgerufen. Es geht um bewusste Verschiedenheit bzw. Gleichheit zwischen innen und außen. Daneben spielen hier auch Abschrankungen eine Rolle (Nachrichten vor allem physisch durch Pfostenlöcher und literarisch durch entsprechende Überlieferung).