„The Pollocks diggings provide a valuable link between the citizen-slave communities of the twentieth century and the tribal anarchy which succeeded them. Here you see a people of advanced culture, capable of an elaborate draining system and the construction of permanent highways, over-run by a race of the lowest type.“

Evelyn Vaugh, Brideshead Revisited

Ich finde diesen Gedanken interessant, sich zu überlegen, was zukünftige Archäologen von unserer Zivilisation finden und wie sie es deuten werden. Da gab es mal dieses Buch dazu, dessen Titel mir jetzt natürlich nicht einfällt. Gab es diesen Gedanken auch in der Antike? Ja und nein. Immerhin hatte der Beginn des historischen Denkens im Athen des 5. Jhdts. einen ähnlichen Hintergrund. Beides geht von einer Zukunft aus, deren Auffassung des Jetzt man prinzipiell beeinflussen kann.

siehe auch: T. Hölscher in: J. Assmann / T. Hölscher (Hrsg.), Kultur und Gedächtnis (Frankfurt am Main 1988)

Damit die Früchte meiner Arbeit nicht umsonst gewesen sind, hier Text und Handout zu einem Referat über Stefan Breuers Theorien über Staatsentstehung und ihr Bezug zur Archäologie.

Text des Referats (MegaUpload)

Handout (MegaUpload)

Apropos Festkultur, am kommenden Donnerstag, den 04. Juni 2009 wird Prof. Dr. Stefan Weinfurter von der Uni Heidelberg am Landesmuseum Mainz über „Barbarossa und das Mainzer Hoffest“ sprechen. Das es dabei auch um ephemere Festkultur und -bauten gehen wird nehme ich doch mal an, denn wenn ich mich richtig erinnere hat der doch damals unter anderem ne eigene Holzburg bauen lassen, einfach nur für die Party… Das da noch mehr dahinter steckte als Party, yeah, das denke ich wird uns der Herr Weinfurter auch erzählen, aber trotzdem, schande übers hier und jetzt …

Diesen Post verlinken wir einzig und allein wegen dem Titel!

Whay! Das Deutsche Architektur Museum in Frankfurt ist doch immer wieder ein Genuss. Da geht man mal schnell hin um sich die Las Vegas Studio-Ausstellung anzusehen und bleibt stundenlang dort weils doch so viel zu sehen gibt:

Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 1953; Quelle: wikipedia

Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 1953; Quelle: wikipedia

a) Direkt zu Beginn: Zum Beispiel Schelling: Beispiele von Erich Schellings Bauten, die sowohl ein Licht auf Schellings besondere Formensprache, als auch die Ästhetik sowie der Bauanforderungen der Nachkriegszeit allgemein, sowie das gesellschaftliche Ansehen der Architekten der Zeit zeigen. Zu sehen sind Fotos (alte und moderne), Modelle und Pläne von so bedeutenden Bauten wie dem Theater der Stadt Schweinfurt, Werksgebäude für die FAG Kugelfischer, der Schwarzwaldhalle, der Volksbank am Marktplatz in Karlsruhe, der Erweiterung des Bundesgerichtshofes in Karslruhe sowie der Innenausstattung des Wohnhauses des Architekten. Daneben auch Exponate aus den Bauten selbst, Teile der Leuchten des Theaters Schweinfurt oder einem Stuhl der Schwarzwaldhalle. Alles in allem sehr nette Ausstellung, es ist nett, dass mal ein Augenmerk auf die deutsche Nachkriegsarchitektur gelegt wird. Denn die Ausstellungsmacher sehen die Bauten, sie zeigt ein kleiner Hinweis auf den erklärenden Schildern, auch unter dem immer leider sehr aktuellen (siehe Volksbank Karlsruhe) Bezug zu Abriss und Umgestaltung. Und damit zeigt uns die Ausstellung auch: Fahr mal hin, noch steht’s.

b) Die zweite Ausstellung widmet sich Fotographien von Gordan Watkinson, welcher sich anlässlich des Jubiläums des Bauhauses „typische“ Bauhaus-Bauten sucht und sie in Beziehung zu modernen Bauten setzt. Welche modernen Bauten fragen Sie und Sie fragen zu Recht: irgendwelche, zumindest kam es uns so vor. Die Ausstellung ist wirklich nett zu sehen, die Bilder aus interessanten Winkeln gut aufgenommen mit einer nicht aufregenden, sachlichen, blauen Ästhetik die uns auch interessante neue Gebäude zeigt, die irgendwann mal als Klassiker angesehen werden könnten. Aber wie wurden sie ausgewählt. Wenn zu Mies van der Rohes Wohnblock der Weißenhof-Siedlung ein moderner Siedlungsblock in Schweden gesetzt wird, dann fragen wir uns doch, warum? Die Frage bleibt uns der Fotograph schuldig, immerhin schön ists.

c) Hawaii Moderne. Die Architektur von Vladimir Ossipoff: Wir sind ja, vor allem weil wir große Fans von schönem sind, auch große Fans von Ossipoff, der schöne Architektur passend zu ihrer Umgebung entworfen hat. Allerdings finden wir die Heraushebung die sein Lanaii hier findet etwas übertrieben: Die Öffnung des Innenraums nach außen ist bei einem solchen Klima wie auf Hawaii eigentlich selbstverständlich und es kann einzig eine Gratulation an Ossipoffs nicht-standardisiertes Denken sein, wenn er hier nicht den normalen Weg ging, sondern sich ansah wie schon vorher gebaut wurde. Daneben hat uns irgendwie der Bezug zu antiken Peristylen gefehlt, welche das Prinzip zwar quasi umdrehen, aber trotzdem das gleiche wollen.

Learning from Las Vegas, 1972

Learning from Las Vegas, 1972

d) endlich das, weswegen wir eigentlich dort waren. Ihre Ergebnisse kann man kritisieren, ihre Methoden teilweise auch, aber das was Robert Venturi und Denise Sott Brown da in den 70ern in Las Vegas machten war ein Befreiungsschlag für die Architektur. Endlich musste nicht mehr nur alles kühl und funktionierend sein (wodurch es ja leider immer formal wurde), sondern man konnte auch wieder über Ornament reden. Gilt bis heute! Und da ist diese Ausstellung nur leider etwa klein und nicht direkt ersichtlich, wenn man die Thesen Venturi/Scott Browns nicht kennt. An den Wänden nette Bilder und Filme gibt es auch, also trotzdem sehenswert, wenn man sich auskennt.

Las Vegas Studio, noch bis zum 21.06.09
Hawaii Moderne. Die Architektur von Vladimir Ossipoff, noch bis zum 14.06.09
Zum Beispiel Schelling, noch bis zum 12.04.09
Bauhaus zwanzig-21. Fotografien von Gordon Watkinson, noch bis zum
26.04.09
im: Deutsches Architektur Museum, Frankfurt am Main

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, 1983 - 91; Quelle: wikipedia

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, 1983 - 91; Quelle: wikipedia

Hans Hollein wird heute 75! Herzlichen Glückwunsch

via xFuckerx

Helmut Smits, Dead Pixel, 2009: Quelle: xFuckerx

Helmut Smits, Dead Pixel, 2009: Quelle: xFuckerx

Das 82 cm² große Quadrat, welches der niederländische Künstler Helmut Smits auf eine Wiese gebrannt hat, nimmt, betrachtet mit GoogleEarth auf einer Höhe von 1 km genau ein Pixel auf dem heimischen Computerbildschirm ein. Das ist mal geobranding im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Aussage, ganz anders als die Sowjet-Botschaften fürs All. In Zeiten, in denen Satellitenbilder auch für das normale Leben immer weiter an Wert gewinnen eine Schöne Aktion um auf die Probleme eben dieser Techniken hinzuweisen. Manipulation ist möglich und gängig. Und wenn sie schon in der Realität wirksam ist, wie dann erst im Computer?

Markierung des Ostchores der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

Markierung des Ostchores der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

In die selbe Richtung wie der vorherige Post zu St. Christoph, geht unser heutiger Artikel zu St. Maria ad Gradus, der östlich des Mainzer Doms gelegenen gotischen Hallenkirche. Diese wurde zwar 1803 – 07 abgebrochen, allerdings wurde sie weiter im historischen Bewusstsein des Areal deutlich markiert.

Liebfrauenkirche vor dem Mainzer Dom, in Matthaeus Merians Topographia Germaniae von 1675; Quelle: wikipedia

Liebfrauenkirche vor dem Mainzer Dom, in Matthaeus Merians Topographia Germaniae von 1675; Quelle: wikipedia

Zum Bau: Vermutlich ebenfalls von Erzbischoff Willigis gestiftet. In einer Quelle wird als Weihedatum des novi monasterii S.Mariae der 23. November 1069 angegeben. Dieser erste Bau brannte 1285 ab und wurde im gotischen Stil wiedererrichtet. Die Bauarbeiten liefen bis nach 1314.

Grundriss der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: August Schuchert, Die Mainzer Kirchen und Kapellen (Mainz 1931); Quelle: wikipedia

Grundriss der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: August Schuchert, Die Mainzer Kirchen und Kapellen (Mainz 1931); Quelle: wikipedia

Wir haben eine dreijochige, dreischiffige gotische Hallenkirche auf einem fast quadratischen Grundriss. Das Mittelschiff ist etwas breiter als die Seitenschiffe. Die Kirche ist geostet, der Ostchor ist als Apsis ausgebildet. Geplant waren zwei Türme im Osten als Verlängerung der Seitenschiffe, von denen allerdings nur der nördliche ausgeführt wurde. Geschmückt war das Portal mit gotischen Figurenschmuck, welcher sich heute im Landesmuseum Mainz befindet.

Zeichnung des Portals der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz (1990); Quelle: wikipedia

Zeichnung des Portals der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz (1990); Quelle: wikipedia

Das Gebäude bleibt aber trotz der Zerstörung weiterhin im historischen Gedächtnisses der Stadt präsent. Zum einen trägt der transistente Platz zwischen Dom und Rhein den Namen der Kirche, Liebfrauenplatz, zum anderen sind Überreste und der Grundriss darauf deutlich gemacht.

Luftbild Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: googlemaps

Luftbild Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: googlemaps

Gedenkplatte auf dem Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: T.D.

Gedenkplatte auf dem Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: T.D.

Vor allem der Ostchor bildet ein plastisch ein quasi Denkmal, welches durch die Bepflanzung im Sommer zum Verweilen einlädt.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

Siehe auch:

Ruinen Inc.: St. Christoph, Mainz

Ruinen Inc. – Haus zum römischen Kaiser / Gutenberg-Museum / Bistro Codex

Ruinen Incorporated

Yay! Für alle denen es noch nicht aufgefallen sein sollte, wir haben einen neuen Header. Vielen Dank an dieser Stelle an unsere tolle Graphik-Designerin!

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