Whay! Das Deutsche Architektur Museum in Frankfurt ist doch immer wieder ein Genuss. Da geht man mal schnell hin um sich die Las Vegas Studio-Ausstellung anzusehen und bleibt stundenlang dort weils doch so viel zu sehen gibt:

Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 1953; Quelle: wikipedia

Schwarzwaldhalle, Karlsruhe, 1953; Quelle: wikipedia

a) Direkt zu Beginn: Zum Beispiel Schelling: Beispiele von Erich Schellings Bauten, die sowohl ein Licht auf Schellings besondere Formensprache, als auch die Ästhetik sowie der Bauanforderungen der Nachkriegszeit allgemein, sowie das gesellschaftliche Ansehen der Architekten der Zeit zeigen. Zu sehen sind Fotos (alte und moderne), Modelle und Pläne von so bedeutenden Bauten wie dem Theater der Stadt Schweinfurt, Werksgebäude für die FAG Kugelfischer, der Schwarzwaldhalle, der Volksbank am Marktplatz in Karlsruhe, der Erweiterung des Bundesgerichtshofes in Karslruhe sowie der Innenausstattung des Wohnhauses des Architekten. Daneben auch Exponate aus den Bauten selbst, Teile der Leuchten des Theaters Schweinfurt oder einem Stuhl der Schwarzwaldhalle. Alles in allem sehr nette Ausstellung, es ist nett, dass mal ein Augenmerk auf die deutsche Nachkriegsarchitektur gelegt wird. Denn die Ausstellungsmacher sehen die Bauten, sie zeigt ein kleiner Hinweis auf den erklärenden Schildern, auch unter dem immer leider sehr aktuellen (siehe Volksbank Karlsruhe) Bezug zu Abriss und Umgestaltung. Und damit zeigt uns die Ausstellung auch: Fahr mal hin, noch steht’s.

b) Die zweite Ausstellung widmet sich Fotographien von Gordan Watkinson, welcher sich anlässlich des Jubiläums des Bauhauses „typische“ Bauhaus-Bauten sucht und sie in Beziehung zu modernen Bauten setzt. Welche modernen Bauten fragen Sie und Sie fragen zu Recht: irgendwelche, zumindest kam es uns so vor. Die Ausstellung ist wirklich nett zu sehen, die Bilder aus interessanten Winkeln gut aufgenommen mit einer nicht aufregenden, sachlichen, blauen Ästhetik die uns auch interessante neue Gebäude zeigt, die irgendwann mal als Klassiker angesehen werden könnten. Aber wie wurden sie ausgewählt. Wenn zu Mies van der Rohes Wohnblock der Weißenhof-Siedlung ein moderner Siedlungsblock in Schweden gesetzt wird, dann fragen wir uns doch, warum? Die Frage bleibt uns der Fotograph schuldig, immerhin schön ists.

c) Hawaii Moderne. Die Architektur von Vladimir Ossipoff: Wir sind ja, vor allem weil wir große Fans von schönem sind, auch große Fans von Ossipoff, der schöne Architektur passend zu ihrer Umgebung entworfen hat. Allerdings finden wir die Heraushebung die sein Lanaii hier findet etwas übertrieben: Die Öffnung des Innenraums nach außen ist bei einem solchen Klima wie auf Hawaii eigentlich selbstverständlich und es kann einzig eine Gratulation an Ossipoffs nicht-standardisiertes Denken sein, wenn er hier nicht den normalen Weg ging, sondern sich ansah wie schon vorher gebaut wurde. Daneben hat uns irgendwie der Bezug zu antiken Peristylen gefehlt, welche das Prinzip zwar quasi umdrehen, aber trotzdem das gleiche wollen.

Learning from Las Vegas, 1972

Learning from Las Vegas, 1972

d) endlich das, weswegen wir eigentlich dort waren. Ihre Ergebnisse kann man kritisieren, ihre Methoden teilweise auch, aber das was Robert Venturi und Denise Sott Brown da in den 70ern in Las Vegas machten war ein Befreiungsschlag für die Architektur. Endlich musste nicht mehr nur alles kühl und funktionierend sein (wodurch es ja leider immer formal wurde), sondern man konnte auch wieder über Ornament reden. Gilt bis heute! Und da ist diese Ausstellung nur leider etwa klein und nicht direkt ersichtlich, wenn man die Thesen Venturi/Scott Browns nicht kennt. An den Wänden nette Bilder und Filme gibt es auch, also trotzdem sehenswert, wenn man sich auskennt.

Las Vegas Studio, noch bis zum 21.06.09
Hawaii Moderne. Die Architektur von Vladimir Ossipoff, noch bis zum 14.06.09
Zum Beispiel Schelling, noch bis zum 12.04.09
Bauhaus zwanzig-21. Fotografien von Gordon Watkinson, noch bis zum
26.04.09
im: Deutsches Architektur Museum, Frankfurt am Main

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