Plakat der Ausstellung Gewusst wo! im Gutenberg-Museum, Mainz; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Plakat der Ausstellung "Gewusst wo!" im Gutenberg-Museum, Mainz; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Wir sind ja prinzipiell keine wirklichen Fans von Schauen, deren Ausstellungsfläche kleiner ist als die Fläche des Plakats, und das ist leider der Fall bei der genannten Ausstellung im Gutenberg-Museum Mainz. Und das größte Problem an der Sache, von der Thematik her hätte sie wahrlich besseres verdient als im leicht übersehbaren Halbkellergeschoss „versteckt“ zu werden. Kuratiert von Cornelia Schneider (Wissenschaftliche Abteilungsleiterin am Gutenberg-Museum Mainz) und Elisabeth Oy-Marra (Professorin für Kunstgeschichte an der Uni Mainz), soll die Ausstellung einen Überblick über die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Wissensräume“ des historisch-kulturwissenschaftlichen Forschungszentrums Mainz-Trier bieten. In diesem Forschungsprojekt geht man mit Bezug auf neuere Ergebnisse der Raum-Philosophie (siehe zur Übersicht M. Ott, Raum, in: Ästhetische Grundbegriffe. Ein historisches Wörterbuch (Stuttgart/Weimar 2002) davon aus, dass Wissen in der Kategorisierung gleichgesetzt werden kann mit sozialen Strukturen und darum, ähnliche wie diese, Räume schafft. Ziel der Ausstellung ist es nun, wesentlich vereinfachter und für den Laien nachvollziehbarer, die Vielgestaltigkeit der Imagination vormoderner Wissenräume aufzuzeigen. Dabei waren verschwundene, wie der Hortus Mathematicus, vertreten, ebenso wie solche, die bis heute im Sprachgebrauch weiterleben, wie die Karriereleiter z.B. Und wir fragen uns, was sind die heutigen Darstellungsformen von intellektuellen Räumen, ist es im Internet-Zeitalter der html-Verzeichnisbaum oder die Tag-Cloud, sind es moderne Bibliotheks-Entwürfe, das Minority Report-Interface? Allgemein scheint es uns, als ginge es vor allem um Abstraktion und Interaktivität, beides nötig und nützlich bei der Organisation größerer und nicht mehr betonsicherer Wissenmengen (verglichen mit den Kanones des mittelalterlichen Wissens).

Heinrich Vogtherr d. Ä. (1490–1556), Turm der Grammatik, 1548, Holzschnitt, 463 x 239 mm; Quelle: www.uni-mainz.de

Heinrich Vogtherr d. Ä. (1490–1556), Turm der Grammatik, 1548, Holzschnitt, 463 x 239 mm; Quelle: http://www.uni-mainz.de

Aufgeteilt ist die Ausstellung in sieben Segmente, 1. Wissensarchitekturen, was die ganze Bandbreite an Türmen, Treppen, you name it, zeigt. 2. Das Gebiet der Karthographie 3. Als Beispiel für den einsamen Intellektuellen Hieronymus im Gehäuse 4. Sammlungsräume 5. Der Hortus Mathematicus 6. Der Wissensraum Grammatik. Dazu ist auch ein Katalog erschienen, der aber eher eine Essaysammlung darstellt, als einen wirklichen Katalog. Und da kommt auch der Schwachpunkt des ganzen Unternehmens zutage. Schon von seinem Gegenstand her muss das Forschungsprojekt sehr theoretisch bleiben, was nicht negativ ist, aber schlecht für eine Ausstellung taugt. Deswegen kamen uns manche Gebiete sehr gewollt zusammengestellt vor: Der Bogen von den imaginativen „Verbildllichungshilfen“ der Wissenarchitektur zu den wirklich darstellenden Gebieten von Karthographie und Sammlungsräumen zum Beispiel. Alles kann nur Werbung sein, Werbung für den interessierten Besucher weiterzulesen, zum Beispiel in dem ausgezeichneten Begleitband. Von daher ist die Ausstellung sehr zu empfehlen, als Ort der Anregung und leider auch Ruhe an einem ansonsten trubeligen Samstagmorgen in der Mainzer Innenstadt.

Abraham Bosse (1602-1676), Geometrischer Garten, Kupferstiche, aus: Abraham Bosse, Maniere universelle de M. Desargues pour praticquer la Perspective, Paris 1647; Quelle: www.uni-mainz.de

Abraham Bosse (1602-1676), "Geometrischer Garten", Kupferstiche, aus: Abraham Bosse, Maniere universelle de M. Desargues pour praticquer la Perspective, Paris 1647; Quelle: http://www.uni-mainz.de

weiteres zum Weiterlesen:

– Scans mancher ausgestellter Werke

Raumwissenschaften.de: Die Homepage von Stephan Günzel

Weblog Raumforschung: Blog von Jörg Dünne

– K. Bahlmann /E. Oy-Marra / C. Schneider (Hrsg.),  Gewusst wo! Wissen schafft Räume , Beiträge zu den Historischen Kulturwissenschaften, Band 5, (Berlin 2008)

Francesco Curti (1603-1670), Aerarium philosophiae mathematicae, Frontispiz, aus: Mario Bettini, Aerarium philosophiae mathematicae, 3 Bde., Bologna 1648

Francesco Curti (1603-1670), "Aerarium philosophiae mathematicae", Frontispiz, aus: Mario Bettini, Aerarium philosophiae mathematicae, 3 Bde., Bologna 1648

Gewusst wo! Wissen schafft Räume, im Gutenberg-Museum Mainz

noch bis zum 29. März 2009

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