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Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, 1983 - 91; Quelle: wikipedia

Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, 1983 - 91; Quelle: wikipedia

Hans Hollein wird heute 75! Herzlichen Glückwunsch

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Helmut Smits, Dead Pixel, 2009: Quelle: xFuckerx

Helmut Smits, Dead Pixel, 2009: Quelle: xFuckerx

Das 82 cm² große Quadrat, welches der niederländische Künstler Helmut Smits auf eine Wiese gebrannt hat, nimmt, betrachtet mit GoogleEarth auf einer Höhe von 1 km genau ein Pixel auf dem heimischen Computerbildschirm ein. Das ist mal geobranding im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Aussage, ganz anders als die Sowjet-Botschaften fürs All. In Zeiten, in denen Satellitenbilder auch für das normale Leben immer weiter an Wert gewinnen eine Schöne Aktion um auf die Probleme eben dieser Techniken hinzuweisen. Manipulation ist möglich und gängig. Und wenn sie schon in der Realität wirksam ist, wie dann erst im Computer?

Markierung des Ostchores der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

Markierung des Ostchores der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

In die selbe Richtung wie der vorherige Post zu St. Christoph, geht unser heutiger Artikel zu St. Maria ad Gradus, der östlich des Mainzer Doms gelegenen gotischen Hallenkirche. Diese wurde zwar 1803 – 07 abgebrochen, allerdings wurde sie weiter im historischen Bewusstsein des Areal deutlich markiert.

Liebfrauenkirche vor dem Mainzer Dom, in Matthaeus Merians Topographia Germaniae von 1675; Quelle: wikipedia

Liebfrauenkirche vor dem Mainzer Dom, in Matthaeus Merians Topographia Germaniae von 1675; Quelle: wikipedia

Zum Bau: Vermutlich ebenfalls von Erzbischoff Willigis gestiftet. In einer Quelle wird als Weihedatum des novi monasterii S.Mariae der 23. November 1069 angegeben. Dieser erste Bau brannte 1285 ab und wurde im gotischen Stil wiedererrichtet. Die Bauarbeiten liefen bis nach 1314.

Grundriss der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: August Schuchert, Die Mainzer Kirchen und Kapellen (Mainz 1931); Quelle: wikipedia

Grundriss der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: August Schuchert, Die Mainzer Kirchen und Kapellen (Mainz 1931); Quelle: wikipedia

Wir haben eine dreijochige, dreischiffige gotische Hallenkirche auf einem fast quadratischen Grundriss. Das Mittelschiff ist etwas breiter als die Seitenschiffe. Die Kirche ist geostet, der Ostchor ist als Apsis ausgebildet. Geplant waren zwei Türme im Osten als Verlängerung der Seitenschiffe, von denen allerdings nur der nördliche ausgeführt wurde. Geschmückt war das Portal mit gotischen Figurenschmuck, welcher sich heute im Landesmuseum Mainz befindet.

Zeichnung des Portals der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz (1990); Quelle: wikipedia

Zeichnung des Portals der Liebfrauenkirche, Mainz, aus: Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz (1990); Quelle: wikipedia

Das Gebäude bleibt aber trotz der Zerstörung weiterhin im historischen Gedächtnisses der Stadt präsent. Zum einen trägt der transistente Platz zwischen Dom und Rhein den Namen der Kirche, Liebfrauenplatz, zum anderen sind Überreste und der Grundriss darauf deutlich gemacht.

Luftbild Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: googlemaps

Luftbild Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: googlemaps

Gedenkplatte auf dem Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: T.D.

Gedenkplatte auf dem Liebfrauenplatz, Mainz; Quelle: T.D.

Vor allem der Ostchor bildet ein plastisch ein quasi Denkmal, welches durch die Bepflanzung im Sommer zum Verweilen einlädt.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

ehemaliger Ostchor der Liebfrauenkirche, Mainz; Quelle: T.D.

Siehe auch:

Ruinen Inc.: St. Christoph, Mainz

Ruinen Inc. – Haus zum römischen Kaiser / Gutenberg-Museum / Bistro Codex

Ruinen Incorporated

Yay! Für alle denen es noch nicht aufgefallen sein sollte, wir haben einen neuen Header. Vielen Dank an dieser Stelle an unsere tolle Graphik-Designerin!

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St. Christoph Mainz, "rekonstruiertes" südliches Seitenschiff; Quelle: T.D.

St. Christoph Mainz, "rekonstruiertes" nördliches Seitenschiff; Quelle: T.D.

Die Mainzer Kirche St. Christoph ist leider, unserer Meinung nach, eines der wenigen positiven Beispiele für einen durchdachten Umgang mit historischer Substanz in Mainz und Umgebung. Die Verwendung der Ruinen ist hier Selbstzweck, zusammen mit Ergänzungen die rein Ergänzungen bleiben wollen und auch immer als solche sichtbar sein sollen.

St. Christoph, Mainz, Langhaus von Osten; Quelle: T.D.

St. Christoph, Mainz, Langhaus von Osten; Quelle: T.D.

Die Kirche St. Christoph liegt zwischen der heutigen Mainzer Fußgängerzone und dem Rhein, in einem der frühen Mainzer Siedlungskerne. Als Vorgängerbau ist 893 erstmals eine fränkische Adelskirche nachweisbar, St. Christoph als Pfarrkirche dann seit 1272. Erbaut wurde die Kirche im 13. Jahrhundert, als erstes wohl der Nordturm, noch vor der Mitte des Jahrhunderts, gegen Ende das Langhaus. Historisches Namedropping gelingt durch den Umstand, dass die Kirche die wahtscheinliche Taufkirche Gutenbergs war. Im zweiten Weltkrieg, am 12./13. August 1942, wurde die Kirche durch Bombardement stark zerstört. Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt sie ihre heutige Funktion als Mahnmal. Noch einmal verändert wurde das Konzept 2002, als im Rahmen der Gedenkfeierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Bombardierung ein neues Lichtkonzept angebracht wurde.

St. Christoph, Mainz, Blick vom südlichen ins nördliche Seitenschiff; Quelle: T.D.

St. Christoph, Mainz, Blick vom südlichen ins nördliche Seitenschiff, im Hintergrund Gedenkplatte; Quelle: T.D.

Das Konzept, dass bei der Umwandlung der ehemaligen Kirche in ein Denkmal nach dem zweiten Weltkrieg, verfolgt wurde, sah sich vor große Probleme gestellt: Der komplette Innenraum der Kirche war zerstört, das nördliche Seitenschiff musste abgetragen werden. In dieser Situation wurde das nördlichen Seitenschiff mit fünf Stützen nachgeahmt. Das Material hier wie bei fast allen Ergänzungen war einfach grauer Sichtbeton, ein Material welches einfach ohne negative Konnotation ist, sondern in ruhiger Art die Nachkriegs“not“ zeigt. Außen an das nachgebildete Seitenschiff wurden vier Reliefs von Heinz Hemrich gehängt, welche in abstahierender Art Episoden der Mainzer Stadtgeschichte zeigen. Der Nordturm der Kirche wurde wieder als Kapelle hergerichtet und beherbergt heute die orthodoxe Christophorus-Gemeinde Mainz.

St. Christoph, Mainz, Blick in den genutzten Ostchor mit der großen Gedenkplatte; Quelle: T.D.

St. Christoph, Mainz, Blick in den genutzten Ostchor mit der großen Gedenkplatte; Quelle: T.D.

St. Christoph, Mainz, Blick ins Seitenschiff; Quelle: T.D.

St. Christoph, Mainz, Blick ins Seitenschiff; Quelle: T.D.

Siehe auch:

Ruinen Inc. – Haus zum römischen Kaiser / Gutenberg-Museum / Bistro Codex

Ruinen Incorporated

Von unserem Besuch im Neubau dort haben wir ja schon berichtet, und nun gibts ein neues Datum für die Eröffnung. Äh, und das wars für heute 😉

Gestern gab es hier in Mainz die Gelegenheit im Rahmen eines CDU-Termins den Um-/Neubau des Jüngeren Dalberger Hofes zu besichtigen – eine Gelegenheit für uns die neuesten „Trends“ bei der Nutzung von Denkmal mit eigenen Augen zu sehen.

Hauptfassade des Jüngeren Dalberger Hofes, ca. 1718; Quelle: wikipedia

Zuerst, warum uns der Dalberger Hof interessiert: Eines der interessantesten, wohl das größte barocke Adelspalais in Mainz. Grundlegende Literatur, die so ziemlich alles wissenswerte abdeckt ist Reinhard Schneiders „Der Dalberger Hof in Mainz und sein Architekt Caspar Herwartel 1675 – 1720: Idee und Gestalt eines barocken Adelspalastes“ (Worms 1986). Erbaut wurde das Gebäude um 1717, so zumindest das ürsprüngliche Cronostichon über dem Eingang, allerdings existieren bereits Stiche von 1710, welche Elemente des Baus zeigen. Abgeschlossen war der Rohbau 1718, wonach mit der Innenausstattung begonnen wurde, an der namhafte Künstler des Mainzer Hofes beteiligt waren. Davon ist leider nichts mehr erhalten, da der Bau bereits 1793 im Zuge des ersten Koalitionskrieges von preußischen Truppen zerschossen wurde. Er wurde wieder aufgebaut, von Paul Arnold, und wurde ab 1829/30 als großherzoglich-hessischer Justizpalast genutzt. Noch einmal wurde das Gebäude im zweiten Weltkrieg bis auf die Außenmauern zerstört, danach wiederum aufgebaut und als Polizeipräsidium sowie später für verschiedene Ämter und als Standort des Peter-Cornelius-Konservatoriums verwandt. Umstritten ist die Urheberschaft Caspar Herwartels, welcher eigentlich „nur“ Steinmetzmeister war, die Debatte um die Architektenfrage kann gut bei Schneider verfolgt werden. Kunstgeschichtlich interessant ist der Bau vor allem wegen drei Punkten. Der Hauptsaal des Palais war ein lang-gelagerter Saal, wie er in der italienischen Villenarchitektur seit Palladio auftaucht; des weiteren die Hauptfassade mit ihrem aus der französischen Klassik übernommenen 3-Risalit-Schema, wobei hier wirklich durch ein schmiedeeisernes Gitter zur Klarastraße ein cour d’honeur abgegrenzt war, lustig wenn man die beengten Verhältnisse vor Ort kennt. Letzter Punkt betrifft wiederum die Fassade, besonders die große Ordnung der italienischen Hochrenaissance mit dem genuteten Erdgeschoss-Sockel und der kolossalen Säulenstellung. Alles in allem also ein relativ ekklektizistischer Charakter, dem aber nicht der Charakter im doppelten Sinn abgeht.

Wie so vielen heute, fehlt auch der Stadt Mainz chronisch Geld, so dass, als 2005 mal wieder eine Restaurierung des Baus anstand und die Rechung auf circa 20 000 000 Euro geschätzt wurde, alle schnell nach einer anderen Lösung suchten. Die CDU kam dann nach eigenen Angaben mit der Idee auf, anstatt das alte Ding weiter zu behalten, es doch einfach zu verscheuern. Irgendwie sprach gestern jeder mit Bedauern von diesem Schritt, aber getan haben sie ihn doch. Des weiteren sprachen alle von den strengen Denkmalschutzauflagen, aber da war doch innen garnicht mehr so viel von der Originalsubstanz zu schützen. Irgendwie können wir uns des Gedankes nicht erwähren, dass die ganze Geschichte so nicht gut ist. Immerhin hat man eines der bedeutendsten Mainzer Kulturdenkmäler genommen und hat es der Öffentlichkeit entzogen, indem man es in die bestimmteste Form der Unöffentlichkeit verwandelte, Privatbesitz. Naja, alles nicht so schlimm, es geht ja kunsthistorisch vor allem um die Fassade, und die wird man weiterhin noch sehen dürfen. Oder?

Hans Scholten, Shanghai, China; Quelle: baunetz.de

Hans Scholten, Shanghai, China; Quelle: baunetz.de

Was passiert wenn ein Bildhauer beginnt, Architektur, urbane Architektur, zu fotographieren. Genau, es kommen eventuell Arbeiten heraus, die ganz besonders sensibel auf die räumlichen Massen reagieren, deren Faszination eingefangen werden soll. Die BaunetzWoche, das online-.pdf-Magazin von Baunetz.de hat eine wunderschöne Bildstrecke von Hans Scholten, den besonders Städte interessieren, welche sich alle in einer Situation rasender Veränderung befinden. Einwohnerzahlen über 1 000 000 aber keine großen Kontrollinstanzen, sondern das reine sich selbst doch irgendwie organisierende Leben.

Die haben ne Schedelsche Weltchronik!