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Da ist ein Teil der Redaktion mal außer Lande, schon kommen die Ausstellungen nach Rhein-Main. Und so auch die (Wander-)Ausstellung Bunte Götter. Nach München, dem Ursprungsort, war die Schau auch in Basel, Hamburg, Rom, Kopenhagen, Amsterdam, Istanbul, Athen, Harvard und Los Angeles zu sehen. Im Grunde geht es um das auf Winkelmann, aber auch den weiteren Klassizismus zurückgehende Vorurteil, die Antike wäre gewesen wie sie heute scheint, weiß und rein. Das dem nicht so war, ist eigentlich spätestens seit Antoine Chrysostôme Quatremère de Quincys Abhandlung über Phidias olympische Zeusstatue (leider nicht bei Digitalisat) bekannt und bekam besondere Aufmerksamtkeit seit den im Rahmen der Bergung und Sichtung des Perserschutts gefundenen Statuenfragmenten mit sehr gut erhalteen Farbresten (wie z.B. dem Blonden Kopf).
Eigentlich war es klar, dass die Ausstellung, welche ihre Ursprünge an der LMU-München hat und auf den jetzigen Leiter der Antikensammlung des Liebighauses V. Brinckmann zurückgeht, jetzt auch mal dort zu sehen sein würde.
Aufgebaut ist sie als Mischung von Stücken der Sammlung des Frankfurter Hauses mit den gelungenen farblich gefassten Kopien aus München.
Besonderen Wert legte man bei der Anfertigung dort natürlich auf in der Glyptothek ausgestellte prominente Stücke, so das Hauptwerk, der Aphaia-Tempel von Aigina (wobei hier die farbige Fassung des Gibelschmucks bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt war, siehe die Versionen der Rekonstruktion A. Furtwänglers).
Aber auch das andere Hauptwerk, welches aus den früheren Katalogen bekannt sein dürfte, der Fries des Syphnier-Schatzhauses in Delphi, war vertreten.
www.viamus.de

Rekonstruierte frabliche Fassung des Frieses des Syphnier-Schatzhauses in Delphi, Quelle: http://www.viamus.de

Leider nicht die Kopie des Augustus von Prima Porta,
www.laputanlogic.com

Vergleich der Originalkopie des Augustus von Prima Porta mit der farblichen Fassung, Quelle: http://www.laputanlogic.com

aber dafür zwei Caligula Porträts, welche unterschiedliche Stufen der Bemalung zeigten. Manchmal fragte man sich ein wenig, wie denn jetzt gerade die Verbindung zwischen den Frnkfurter Stücken und den Stücken der eigentlichen Ausstellung hergestellt wurde. So vor allem bei der ägyptischen Pharaonen-Statue, welche als Porträt Alexander des Großen erkannt wurde und vor wenigen Jahren der Star der Griechenland-Ägypten-Ausstellung im Städel war.
Die Kritikpunkte an der Schau betreffen die üblichen Problemstellen: Teuer, während man früher als Kunstgeschichtsstudent umsonst in das Liebighaus kam kostet der Eintritt heute 6 € ermäßigt, trotzdem war die Schau an unserem Besuchstag gut besucht. Ansonsten mutet sie relativ kurz an, drei Räume und der „Keller“ mit den wunderschönen Aquarellen des Schweizers Emile Gillieron, von denen manche, wie von der Peplos-Kore, aber auch nach ganz noben ins sog. Studiolo verbannt waren. Aber man überlegt auch, nach der Schau ist einem klar geworden was die Mission war, dem, man kann ihn schon fast so nennen, naiven Betrachter zu zeigen, wie farbig doch die Antike war. Das sie überhaupt farbig war und dann noch so grell. Und das ist gelungen.
Alles in allem also eine gelungene Schau, die man sich hier wieder ansehen würde, auch mit dem Hintergedanken teil einer weltweiten Kunstbewegung gewesen zu sein.
Details:
Bunte Götter
Liebieghaus Skulpturensammlung, Antikensammlung / Frankfurt am Main
Schaumainkai 71
noch bis: 15.02.2009
danach: 06.03. bis 01.06.2009 im Museum Wilhelmshöhe in Kassel

Sehr interessant fanden wir ja schon immer Architektur-„Projekte“, die zu groß oder zu phantastisch oder zu strange waren um wirklich gebaut zu werden. Ein bekanntes Beispiel aus der Antike ist der Plan des Δεινοκράτης in den Berg Athos eine menschliche Figur schlagen zu lassen, die in ihrer linken Hand die befestigte Polis und in ihrer rechten ein Wasserbasin halten sollte. Zwar von Alexander abgelehnt, weil der armen Bevölkerung ja der nötige Zugang zum Meer fehlen würde, aber doch immerhin so weit ernst genommen.

J.R. Schellenberg, 16. Tafel aus J.S. Stoy, Bilder-Akademie für die Jugend. Band 1. Nürnberg, 1784, Kupferstich 1784

J.R. Schellenberg, 16. Tafel aus J.S. Stoy, Bilder-Akademie für die Jugend. Band 1. Nürnberg, 1784, Kupferstich 1784

Siehe auch:

Monumentale Architektur

  • eine Arbeit über den Umgang von Architekten mit alter Bausubstanz, vor allem aber nicht nur in der Moderne. Besonderes Augenmerk auf antike Überreste, siehe B. Tschumis neues Akropolis-Museum, Zumthor, Herzog & De Meuron

  • moderne Glasmalerei von Künstlern, die eigentlich nicht aus diesem Medium kommen. Beispiele natürlich Richter im Kölner Dom, Brice Marden bei der Wiesbaden-Ausstellung.

siehe auch:

… bei Langeweile I