Wir hier bei Ye Olde Mason mögen ja, sind ja really fond of, wie man im angelsächsischen Sprachraum sagt, Gedanken zur Architektur, die groß sind, sehr groß, sehr sehr groß. Die müssen nicht unbedingt gebaut sein, Ideen reichen schon. Da interessiert, was englishrussia.com zeigt, stalinistische Umgestaltungspläne für Moskau. Leider ohne genauere Angaben zu Urheber, Entstehungszeit etc, aber für was gibt es denn das Internet?! So sind manche der gefeaturten Gebäude bekannt, wie z.B. der unvollendete Palast der Sowjets nach Plänen von Boris Iofan und Wladimir Schtschuko

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Der projektierte Palast der Sowjets (Version von 1936), einer Gemeinschaftsarbeit der Architekten Boris Iofan und Wladimir Schtschuko, Quelle: wikipedia

oder, was uns wegen der wunderbaren Einbeziehung der Platzanlage des Roten Platzes ganz besonders interessiert hat, das Volkskommisariat der Schwerindustrie von Alexander und Viktor Vesnin.

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Volkskommisariat der Schwerindustrie, nach Plänen von A. und V. Vesnin, ca. 1934, Quelle: http://www.muar.ru

Besonders imponiert uns hier die Lösung mit der sechsgeteilten Treppe, die eine ganze Breitseite des Platzes einnimmt und vor einer Art Stoa mit Mittelvorhalle endet. Gibt es hier Anleihen an die florentinische Renaissance oder erinnert uns der Entwurf zu Unrecht an Brunelleschis Piazza della Santissima Annunziata?

Aber um was geht es bei den gezeigten Entwürfen? Es geht um das Neue Moskau (Hовая Москва) (siehe hier, russisches Propagandavideo von 1938, zeigt gegen Ende auch den Palast der Sovjets im Modell), den Auftrag an Alexei Wiktorowitsch Schtschussew zum Umbau Moskaus in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Einen besonderen Platz nimmt in der ganzen Planungshistorie das Jahr 1937 ein, welches neben Stalins Terrormaßnahmen auch Stadtplanungsprojekte (U-Bahn, Anlegung breiter Paradestraßen) sah. Neben, natürlich, konstruktivistischer Formsprache, zeigen die Projekte für das siegreiche Volk auch gewisse klassische Anleihen

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Der Helden-Bogen, nach Plänen von L. Pavlov, 1942, Quelle: http://www.muar.ru

so der Helden-Bogen von L. Pavlov für die Verteidiger Moskaus. Oder auch I. A. Fomins Projekt für das bereits oben angesprochene Volkskommisariat der Schwerindustrie

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Volkskommisariat der Schwerindustrie, I. Fomin, P. Abrosimov, M. Minkus, ca. 1934, Quelle: http://www.mura.ru

Beide benutzen, ganz klassisch, Bogen-Formen zur Erzeugung eines Erhabenheit-Gefühls.

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