Zum ersten Teil unserer neuen Serie Ruinen Incorporated heute eine Mainzer Institution: Das Haus zum römischen Kaiser bzw. der Komplex Gutenberg-Museum, Bistro Codex. Der Bau liegt am Liebfrauenplatz, dem Platz neben der ehemaligen Liebfrauenkirche, zum Marktplatz hin.

Die Baugeschichte in kürze: Erbaut wurde das Haus zum römischen Kaiser in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts für den Großkaufmann, kurfürstlichen Rat und Rentmeister Edmund Rokoch. Es nimmt insbesonders in der Architekturgeschichte von Mainz einen besonderen Platz ein, da es als erster größerer Neubau nach den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges eine Vorbildfunktion für spätere Bauten hatte. Der Schmuck der Hauptfassade stammt wohl aus der Zeit um 1700. Seit 1742 war es als Hotel Zum römischen Kaiser bekannt und kann sich mit Namen wie Voltaire, Mozart und Goethe als Gästen schmücken.

Neubau des Gutenberg-Museums von Rainer Schell, 1962; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Neubau des Gutenberg-Museums von Rainer Schell, 1962; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Ab Mai 1927 werden erste Räume in dem Gebäude für das 1901 gegründete Gutenberg-Museum benutzt, ab April 1932 das gesamte Gebäude. Wie auch fast die ganze Mainzer Innenstadt wird auch das Haus zum römischen Kaiser im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, allerdings, auch wegen des darin untergebrachten Gutenberg-Museum, ab 1960 wieder aufgebaut bzw. besser rekonstruiert. Ergänzt wurde der gesamte Komplex durch den 1962 fertiggestellten Neubau von Rainer Schnell.

Eingangssituation des Gutenberg-Museums, Quelle: www.gutenberg-museum.de

Eingangssituation des Gutenberg-Museums, Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Heute ist die Eingangssituation des Gutenberg-Museum folgend gelöst: Man betritt den kleineren Innenhof von der Seilergasse aus, welche vom Liebfrauenplatz zum Brand führt. Auf dem Bild erkennt man links den Eingang und das Foyer des Neubaus und rechts, mit dem charakteristischen rosa Putz, das alte bzw. neue rekonstruierte Haus zum römischen Kaiser. Im Hintergrund das uns interessierende Objekt, das Bistro Kodex mit den verbauten Resten des alten Baus.

Außenraum des Bistro Codex, Mainz; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Außenraum des Bistro Codex, Mainz; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Jedem, der einmal in diesem Raum saß, werden sie sofort aufgefallen sein: mit floralen Mustern geschmückte Konsolen aus hellrotem Sandstein, sowie ein imposanter Bogen mit 3/4 Säulen mit Kompositkapitellen, einer relieferten Attika sowie darüberliegendem Zahnschnitt, sowie einem Löwenkopf als Schlussstein. Hier noch einmal en detail:

Bogen im Bistro Codex, Mainz; Quelle: www.gutenberg-museum.de

Bogen im Bistro Codex, Mainz; Quelle: http://www.gutenberg-museum.de

Wie werden diese Details hier verwendet? Eingebettet sind sie in eine Hintergrundwand aus grauem Kieselbeton, sowohl zwangsläufige Referenz an die nicht gerade reiche Nachkriegszeit, in die der Neubau immernoch hereinrutscht, als auch optischer Heraushebung der rötlichen Artefakte. In der Tat tritt die Wand im Raum selbst zurück und lässt, auch hervorgerufen von der großzügigen Beleuchtung die Überreste deutlicher hervortreten. Trotzdem kann man natürlich über die ästhetischen Qualitäten von Kiesbeton streiten, wobei das Urteil wahrscheinlich nicht unbedingt zugunsten der kleinen Steinchen ausfallen dürfte. Hervorzuheben bleibt noch, dass die Konsolen hier wirklich tragende Funktion haben, genau wie der Bogen immernoch seine Durchgangsfunktion, die Teile bleiben nicht nur, wenn auch hauptsächlich, reine Ornamentik.

Siehe auch:
Ruinen Incorporated

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